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Prater

Der Wiener Prater ist eine weitläufige Grünanlage, die sich zwischen Donau und Donaukanal erstreckt. Mit rund sechs Millionen Quadratmetern ist sie fast doppelt so groß wie der Central Park in New York. Weltberühmt wurde das Naherholungsbiet der Wiener durch den Wurstelprater genannten Vergnügungspark im Nordwesten des Areals. Obwohl Riesenrad und Co. nur einen kleinen Teil der Fläche einnehmen, denkt beim Prater ein jeder sofort an das bunte, einem Volksfest ähnliche Treiben.

Bevor das Volk im 1162 erstmals urkundlich erwähnten Prater dem Frohsinn nachgehen konnte, war der früher relativ unberührte Auwald dem Adel vorbehalten. Am 7. April 1766 ließ Kaiser Joseph II. das 1560 von Maximilian II. eingezäunte Jagdrevier uneingeschränkt für alle Bürger öffnen. Ab sofort strömte vor allem an Sonn- und Feiertagen die Bevölkerung aus allen Schichten in den Prater.

Praterbesuch nach dem Kirchgang

Obwohl noch bei weitem nicht der Amüsierbetrieb wie heute herrschte, war der Prater schon damals ein so großer Anziehungspunkt, dass viele Menschen seinen Besuch dem Kirchgang vorzogen. Um dem Gottesdienst keine Konkurrenz zu machen, durfte das Gelände sonntags deshalb erst ab zehn Uhr betreten werden. Am Abend signalisierten drei Böllerschüsse, dass der Prater verlassen werden musste.

Mit der Freigabe des Praters für die Allgemeinheit genehmigte der Kaiser auch die Errichtung erster Gastronomie. Der Grundstein wurde ab 1786 mit der Ansiedlung dreier Kaffeehäuser entlang der bereits 1538 errichteten Kastanienallee, die den Prater schnurrgerade durchläuft, gelegt. Hier gab es nicht nur Verpflegung, sondern vor allem auch Unterhaltung. Zum Beispiel in Form klassischer Musik, unter anderem von Beethoven, Lanner und Strauss höchstpersönlich.

Während sich der Adel und das Großbürgertum in den Kaffeehäusern rund um die Hauptallee vergnügten, ließen sich die unteren Schichten im Wurstelprater unterhalten. Auf die Frage, was der Prater denn eigentlich sei - Garten, Lustanstalt, Park, Wald oder Wiese? - antwortete der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter: "All dies zusammen." In der Tat gibt der Prater ein unglaublich vielseitiges Bild ab. Sowohl was die Landschaft und die Tierwelt, als auch was die Möglichkeiten des Zeitvertreibs angeht.

Wer hat das längste, lauteste und schönste Feuerwerk?

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung war früher neben Operette, Varieté und Zirkus das Bestaunen der Feuerwerke, die im Prater wöchentlich entzündet wurden. Der Italiener Peter Paul Girandolini präsentierte 1771 vor 10.000 Menschen das erste große Feuerwerk im Prater. 1773 erhielt der Deutsche Georg Stuwer das Privileg zur Durchführung von Feuerwerken. Auf einer Wiese, die schnell Feuerwerkswiese genannt wurde, errichtete er ein großes Holzgerüst, auf dem er seine Pyrotechnik montierte. Außerdem baute er Tribünen für das Publikum.

In den folgenden Jahren entwickelte sich ein Konkurrenzkampf zwischen Struwers "deutschem Feuerwerk" und Girandolinis "welschem Feuerwerk". Struwer wusste mit Lautstärke zu überzeugen und hatte so die Gunst des Publikums auf seiner Seite. Außerdem fanden seine Feuerwerke freitags statt, die des italienischen Konkurrenten am ungünstigeren Sonntag. Bis zu 25.000 Menschen sahen sich bei gutem Wetter seinen lautstarken Funkenflug an. Struwer wurde damit reich.

Am 18. Mai 1895 eröffnete im Prater der vielleicht erste Themenpark der Welt. Auf rund 50.000 Quadratmetern wurde eine kunstvolle Nachbildung venezianischer Bauwerke und mit Gondeln befahrbarer Kanäle präsentiert. "Venedig in Wien" war gewissermaßen ein Vergnügungspark im Vergnügungspark, stand aber in Konkurrenz zum Wurstelprater. Immerhin 2.000 Menschen wurden hier beschäftigt.

Körperliche Ertüchtigung jeglicher Art

Neben der ständigen Suche nach dem Thrill, der im Wurstelprater den Genuss abgelöst zu haben scheint, ist der Sport eine oft zu beobachtende Aktivität. Überall sieht man Fahrradfahrer, Läufer, Reiter und Skater. Immer wieder sind die Wälder und Wiesen von Sportanlagen unterbrochen. Neben den vielen kleinen Plätzen für Ballsportarten aller Art befinden sich im Prater auch das Ernst-Happel-Stadion (früher Praterstadion genannt), eine Galopp- sowie eine Trabrennbahn, ein Golfplatz, das Radstadion und das Stadionbad.

Je weiter östlich man sieht begibt, desto ursprünglicher zeigt sich einem das von der Donau geprägte Areal auch heute noch. Wie für eine Auenlandschaft üblich ist der Prater sehr flach, was der Kondition der Praterausflügler zugutekommt. Dabei wurden im Laufe seiner langen Geschichte schon viele Auen und Flussläufe zugeschüttet. Beispielsweise für die Weltausstellung 1873.

Schauplatz der Weltausstellung 1873

Anlässlich der fünften Weltausstellung, die die erste im deutschsprachigen Raum war, wurde im Prater eine gigantische Rotunde gebaut. Mit einem Durchmesser von 180 Metern besaß sie die zum damaligen Zeitpunkt mit Abstand größte Kuppel der Welt. Dabei überbot sie das Pantheon in Rom um mehr als das doppelte, erst 1957 durch eine Messehalle in Belgrad übertroffen, deren Kuppeldurchmesser lediglich einen Meter mehr maß.

Die Rotunde fiel 1937 einem Großbrand zum Opfer, möglicherweise bewusst gelegt. Nach ihrer Zerstörung fanden jedenfalls alle Messen - wie vom Betreiber lange Zeit gewünscht - in den modernen Hallen des Messegeländes statt, das auf dem Areal der Weltausstellung errichtet wurde.

Bei erbitterten Schlachten zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee wurden weite Teile des Praters im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht. Der Schlacht um Wien sind beispielsweise das Messegelände, das Planetarium, die Venediger Au mit dem markanten Zirkus Busch und das Vivarium, ein zur Weltausstellung errichtetes Schauaquarium, zum Opfer gefallen. Vom beliebten Wurstelprater blieben lediglich eine Gaststätte, ein Karussell und eine Schießbude.

Im Laufe der Zeit musste der Prater viel von seiner Fläche einbüßen. Unter anderem für den Bau der heute meistbefahrenen Autobahn Österreichs, die die Grünanlage durchschneidet. Die neue Wirtschaftsuniversität und teure Wohnviertel, alles erbaut auf Randgrundstücken des Praters, sorgen immerhin für neue Schichten hier in der vom Prater geprägten Leopoldstadt. "Wenige Hauptstädte in der Welt dürften so ein Ding aufzuweisen haben wie wir unseren Prater." schrieb Adalbert Stifter Mitte des 19. Jahrhunderts.

Weitere Informationen

Verkehrsanbindung

Autobuslinien
5B, 80A, 82A, N25, N29
Bahnhof
Praterstern
Straßenbahnhaltestelle
Praterstern
U-Bahnstationen
Donaumarina, Erdberg, Krieau, Praterstern

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