Zu Gast beim Star

Immer mehr Prominente eröffnen Restaurants

publiziert am 09.01.2017 in Gastronomie & Hotellerie | kein Kommentar

Was in Hollywood schon lange gang und gäbe ist, wird auch in Deutschland immer mehr Mode. Branchenfremde Prominente schaffen sich ein zweites Standbein, indem sie eigene Restaurants eröffnen. Die Beweggründe dafür dürften so unterschiedlich sein, wie die Stars selbst. Manchen treibt einfach nur die persönliche Leidenschaft für gutes Essen, andere wollen mit ihrem bekannten Namen als Zugpferd Kasse machen. Letzteres freilich klappt nicht immer, wie diverse Schließungen beweisen. Trotzdem ist die Neugier jedes Mal aufs Neue groß – nicht nur bei Fans. Wir verraten Ihnen, wo Sie in Deutschlands Metropolen mit etwas Glück auf einen Gastronomen treffen, der aus Funk und Fernsehen bekannt ist.

Til Schweiger: Barefood Deli in Hamburg

Auch wenn Til Schweiger nicht nur Freunde hat, seine Kinofilme stoßen regelmäßig auf großes Publikum. In seinem Online-Shop verkauft Schweiger bereits seit längerer Zeit Einrichtungsgegenstände in dem Stil, wie man sie auch aus seinen Filmen kennt. Nachdem es mit dem eigenen Flüchtlingsheim dann doch nichts geworden ist, hat Deutschlands vielleicht bekanntester Schauspieler der Gegenwart im November 2016 sein erstes eigenes Restaurant in Hamburg eröffnet.

Im Barefood Deli bleibt Schweiger seinem skandinavisch geprägten Stil treu. Alles ist perfekt durchgestylt und könnte so auch in New York beheimatet sein. Die Küche will bodenständig und natürlich sein. Es gibt ein umfangreiches Frühstücksangebot und zum Mittag vor allem Burger und Pasta zu humanen Preisen. Darunter Tils Bolognese (11,50 Euro) nach Originalrezept von seiner Tante, die der Schauspieler perfektioniert haben soll. Sein Taxifahrer auf Mallorca hat ein Rezept für Pesto Genovese (12,50 Euro) beigesteuert. Für das Dinner gibt es eine Abendkarte, auf der kaum mehr Gerichte stehen. Teuerste Speise ist der Thunfisch für 24,50 Euro.

Obwohl das Barefood Deli zwischen Binnenalster und Hauptbahnhof mehr als 200 Gäste fasst, ist bereits mittags fast jeder Platz belegt. Und so muss man auf Til Schweigers Lieblingsgerichte, die hier vornehmlich serviert werden, mitunter ein bisschen länger warten. Die verhältnismäßig guten und günstigen Cocktails helfen die Wartezeit zu überbrücken.

Daniel Brühl: Bar Raval in Berlin

Im Kreuzberger Wrangelkiez, direkt am Görlitzer Park gelegen, betreibt Daniel Brühl bereits seit 2011 seine Tapasbar Reval. Der international gefragte Schauspieler ist in Barcelona geboren und hat viele Jahre lang in Spanien gelebt. Weil er in Berlin einfach keine akzeptable Tortilla fand, sah er sich gezwungen, gemeinsam mit Freunden selbst ein spanisches Restaurant zu eröffnen. Die Bar ist nach dem Viertel Raval benannt, das auch als Kreuzberg Barcelonas bezeichnet wird.

Weder ist die Bar Reval nach seinem prominenten Inhaber benannt, noch heißen die Gerichte auf der Karte nach seinen Filmen. Auch Fotos des Stars sucht man vergeblich. Stattdessen zeigt die offene Küche, was hier im Vordergrund steht, nämlich die authentischen spanischen Gerichte. Rund 30 verschiedene Tapas bis zehn Euro stehen auf der Karte. Montags kommt man in den Genuss von Paella. Die Weinauswahl ist natürlich ebenfalls deutlich spanisch geprägt. Ganz untypisch hingegen: Unter der Woche muss man spätestens um 23 Uhr bezahlen, am Wochenende um 24 Uhr. In Barcelona würde der Abend jetzt erst richtig losgehen.

Elyas M’Barek: Paisano in München

Elyas M’Barek, der spätestens seit dem Kinoerfolg „Fack ju Göhte“ allen Deutschen ein Begriff ist, hat sich für seine schicke Bar die eher uncoolen Münchener Altstadt ausgesucht. Das Paisano liegt im Färbergraben und besitzt eine kleine Speisekarte mit italienischen Gerichten wie Bruschetta (8 Euro) sowie Fettuccine mit frischem Trüffel (19 Euro). Von zehn bis zwölf Uhr kann hier gefrühstückt werden. Im Mittelpunkt stehen aber eher die Cocktails, die vor allem mit der Trendspirituose Gin zubereitet werden.

Elyas M’Barek wollte mit seinen zwei Partnern ursprünglich einen Club aufmachen, bevor sie auf das leerstehende Ladelokal aufmerksam geworden sind und hier im November 2015 ihr Barrestaurant eröffneten. In dem feinen Ambiente gibt es gute Drinks und unaufdringliche Musik. Die Gäste sind unaufgeregt, scharren sich gern um die zentral platzierte Bar und führen anregende Gespräche. Hin und wieder kommen Schauspielerkollegen und Spieler des FC Bayern. Doch auch wenn M’Barek selbst zugegen ist, ist er alles andere als der Mittelpunkt.

Peer Kusmagk: La Raclette in Berlin

Der ehemalige Soap-Darsteller und Dschungelkönig ist niemand, der auf den Trend der aufgesprungen ist. Das La Raclette in Kreuzberg hat er bereits 2006 zusammen mit Schauspielkollege Rhon Diels eröffnet. Hier gibt es französische Küche, allen voran Raclette. Die Auswahl ist klein, aber exzellent: Bœuf bourguignon und Steak tartare, Crème brûlée und Zitronentarte. Dazu tolle Weine. Und ein aufmerksamer Service.

Das Restaurant ist klein und dunkel, für manche vielleicht etwas altbacken, für Kusmagk aber durchdachter Stil. Das Publikum an den wenigen Tischen ist sehr international. Im Gegensatz zu vielen anderen Promi-Gastronomen ist der Star hier häufig anzutreffen – und zwar bei der Arbeit. Seine Bar Raclette musste er dennoch im Frühjahr 2016 schließen, weil er nun regelmäßig beim Radio moderiert und keine Zeit mehr hat, hinterm Tresen zu stehen.

Kevin Großkreutz: Mit Schmackes in Dortmund

Wenn Prominente ein Lokal eröffnen, dann sind das oft Schickimicki-Läden in teuren Lagen. Nicht so bei Fußballprofi Kevin Großkreutz. Der hat im Sommer 2016 gemeinsam mit seinem Freund und Gesellschafter Christopher Reinecke ein gutbürgerliches Kneipenrestaurant mitten im Herzen von Dortmund eröffnet. Die Idee dafür stammt von Reinecke, dem auf dem Speicher seiner Großeltern angeblich ein handgeschriebenes Kochbuch mit regionalen Rezepten in die Hände fiel. Sofort war der Gedanke an eine moderne Kneipe mit westfälischer Hausmannskost gegenwärtig. Der ehemalige BVB- und Nationalspieler Großkreutz saß von Anfang an mit im Boot.

Das Restaurant im Industriedesign bietet zum Frühstück beispielsweise Strammen Max (6,50 Euro). Für vorne wech, wie man im Ruhrpott sagt, gibt es Graupensuppe (5,90 Euro), Sülze (6,90 Euro) oder auch Potthucke (6,90 Euro). Richtig reinhauen kann man mit Pfefferpotthast (12,90 Euro) und Schweinebraten (12,90 Euro). Die Currywurst heißt hier Ruhrpott-Carpaccio 2.0 und kostet 9,90 Euro für zwei Würste mit Pommes und Salat. Allein die Schnitzelauswahl ist so groß, wie in manchen Promi-Lokalen die gesamte Karte nicht. Sogar Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten.

Dolly Buster: Buster Pasta in Frankfurt und Düsseldorf

Die in Prag geborene Dolly Buster wurde als Pornodarstellerin berühmt, hat heute aber eine ganze Reihe an Berufen. Sie nennt sich Autorin, Malerin, Regisseurin und Schauspielerin, aber auch Politikerin und Unternehmerin. Seit 2012 ist sie mit Buster Pasta auch Gastronomin. Das Nudelrestaurant ist Beleg dafür, dass auch selbstbewusste Powerfrauen wie Dolly Buster nicht alles können. Erst recht nicht, wenn sie sich einfach zu viele Talente zumuten.

Das Restaurant in Frankfurt ist umgeben von Billigläden, denen sich die Aufmachung des Speiselokals anzupassen scheint. Auch preislich will man mithalten: Kein Gericht über zehn Euro! Das zieht vor allem eilige Shopping-Damen mit falschen Haaren an, die gern auch mal ihre tätowierten Männer hier parken. 80 Gerichte stehen auf der Speisekarte, drei mit dem Zusatz „à la Buster“. Bestellt und bezahlt wird am Tresen. Ehe man sich hingesetzt hat, wird auch schon die Pasta serviert. Massenabfertigung ohne Atmosphäre, große Portionen ohne Geschmack. Seit 2014 auch im mondänen Düsseldorf.

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