Hugo ist der neue Aperol Spritz

Sommerdrinks der Großstädter

publiziert am 08.09.2012 in Allgemeines, Gastronomie & Hotellerie | kein Kommentar

Wer in den vergangenen Jahren vorbeispazierte an den Straßencafés europäischer Großstädte, dem dürfte das rötlich leuchtende Trendgetränk kaum entgangen sein. Der Aperol Spritz (auch Aperol Sprizz oder Veneziano genannt) begann seinen Siegeszug durch die hiesige Gastronomie bereits vor einigen Jahren. Mittlerweile ist er angekommen im Mainstream und musste es in diesem Sommer erstmals mit einem Konkurrenten aufnehmen.

Von der Weißweinschorle zum Trendsetter

Der aus Norditalien stammende Aperol Spritz ist keine Neuerfindung. In Italien ist der spritzig-süffige Drink bereits seit Jahrzehnten ein beliebter Aperitif am späten Nachmittag und frühen Abend. Vermutlich vom Gardasee, einem der italienischen Lieblingsziele deutscher Urlauber, bahnte sich das Getränk seinen Weg in Deutschlands südlichste Metropole. Aus München, dem zwischenzeitlichen Epizentrum des Aperol-Trends, eroberte der Spritz die Republik.

Der Spritzer ist eine seit ungeahnten Zeiten gängige Getränkevariation. Bekanntester Vertreter dieser Gattung ist die Apfelschorle. In Italien wurde ursprünglich der Weißwein mit Soda aufgespritzt. Vom so gestreckten Rebensaft konnten nicht nur gleich mehrere Gläser genossen werden, auch der geringere Alkoholgehalt war während des Sonnenbads von Vorteil. Vor allem aber der Erfrischungsfaktor stieg erheblich, insbesondere durch die nun enthaltene Kohlensäure. Eine Eigenschaft, die auch den Österreichern gefiel. Sie tauften die Weinschorle „G’Spritzer“ und widmeten ihr sogar einen Paragrafen im Gesetz zur Bezeichnung von Weinen.

Mit der Kreation des Aperol Spritz gelang den Verantwortlichen des italienischen Bitterlikörs ein großer Coup. Das Getränk wurde europaweit bekannt und der Absatz des roten Likörs vervielfachte sich. Um noch mehr Menschen für diese Mischung zu begeistern, vereinfachte das Unternehmen die Rezeptur. Wieso nicht Weißwein und Soda ersetzten, wenn der Prosecco die Kohlensäure doch schon von Natur aus mitbringt? Was für Barliebhaber und Traditionalisten ein Graus ist, dass dürfte dem Aperol Spritz nochmals einen kräftigen Beliebtheitsschub verliehen haben. Schließlich wird er nicht mehr nur in Bars, Cafés und Restaurants getrunken, sondern gerne auch auf dem heimischen Balkon zubereitet.

Süßer Holunder ersetzt bittere Kräuter

Immerhin hat sich das mit einer Orangenscheibe dekorierte Getränk in Sonnenuntergangsfarbe bisher gut in seinem großvolumigen Weinglas gehalten. Jeden Sommer wurde es beliebter, wohl auch, weil es ein Stück Dolce Vita nach Hause brachte. Doch in diesem Jahr bekam der Monopolist unter den Modegetränken ernsthafte Konkurrenz. Der Holunder, der in Bar und Küche eine Renaissance erlebt, setzte sich auch als Mischgetränk durch.

Das Trendgetränk mit dem herrlich altmodischen Namen „Hugo“ besteht wahlweise aus Holunderblütenlikör oder -sirup, Prosecco oder Weißwein, Limettenachteln, Minzblättern und viel Eis. Wie schon sein Vorgänger stammt der Hugo aus Norditalien und scheint die gleiche Route über die Alpen zu den deutschen Gastronomen genommen zu haben. Für den neuen Kassenschlager wandelte die Industrie mal wieder ein Originalrezept um, das eigentlich nichts mit dem Sommerblüher zu tun hat. Sein Erfinder, Roland Gruber, machte den Hugo in Südtirol mit einem Sirup aus Zitronenmelisse statt aus Holunderblüten. In Österreich ist „Kaiser G’spritzter“, eine mit Holunderblütensirup verfeinerte Weißweinschorle, schon lange eine bewährte Mischung. Auch die Idee Holunderblütensirup mit Sekt aufzugießen ist nicht neu.

Nicht nur die Getränkeindustrie, auch die Gastronomen profitieren vom Boom beider Spritzer, die vor allem bei der Damenwelt Gefallen finden. Beide Getränke sind zu Recht angenehme Sommererfrischer, aber nur, wenn die Qualität stimmt. Weil sich aber mit billigen Weinen mehr verdienen lässt, kämpft so mancher Kunde mit strapaziösen Kopfschmerzen als Folge hemmungslosen Trendbewusstseins.

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