Berliner Mauer hinter Gittern

East Side Gallery muss durch Zaun geschützt werden

publiziert am 09.11.2015 in Berlin | 1 Kommentar

Einst trennte sie Deutschland in zwei zumindest politisch verfeindete Lager. Galt als unüberwindbare Hürde zwischen Ost und West. Wurde von DDR-Grenzschützern penibel bewacht. Nun muss ausgerechnet die Berliner Mauer, die heute vor genau 26 Jahren ihren Schrecken verlor, aufwendig geschützt werden.

Die East Side Gallery ist mit deutlich über einem Kilometer das längste noch erhaltene Stück Berliner Mauer. Und seit Mittwoch eingezäunt. Grund sind die Schmierereien, die Touristen aus aller Welt auf den von über 100 Künstlern bemalten Beton hinterlassen. Insbesondere Jugendliche meinen sich hier mit Initialen und Sprüchen verewigen zu müssen. Dafür nutzen sie nicht nur dicke Filzstifte, sondern auch Ätzstifte, Eisenstangen, Messer und Spraydosen. Da hilft dann auch der 2009 aufgetragene Graffitischutz nicht mehr.

Die Verantwortlichen des Grünflächenamts Friedrichshain-Kreuzberg beobachten eine immer größere Skrupellosigkeit. Anders als beispielsweise die offizielle Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße wird die weltberühmte East Side Gallery kaum als Denkmal wahrgenommen. Sie steht eben da, wo sie schon immer stand und jeder konnte ganz nah ran, anders als früher. Nur ein paar kleine Hinweisschilder erklären Unwissenden ihre Bedeutung als Symbol für Freiheit und Menschenrechte.

Feste Balustrade soll zu Umdenken führen

Im Internet gibt es Blogs, die gezielt zum Beschmieren der Mauerreste aufrufen. Dort wird das Verewigen auf der Berliner Mauer neben Gemüsedöner essen bei Mustafa und Party im Berghain zum Pflichtprogramm für Berlin-Touristen erklärt.

Um gegen den respektlosen Vandalismus vorzugehen, wird rund um den Jahreswechsel eine Balustrade um den Mauerstreifen errichtet. Die nur 80 Zentimeter hohe Barriere hat mehr psychologische Wirkung und soll zum Umdenken bei den Touristen führen. Die müssen dann zwei Armlängen Abstand zur Mauer einhalten.

Alternativ wurde auch über Plexiglas oder Wachschutz nachgedacht. Doch das Plexiglas vor der Mauer wäre schnell beklebt, beschmiert und zerkratzt. Der Gesamteindruck würde sich so noch mehr verschlechtern. Die Bewachung der Sehenswürdigkeit wäre mit 300.000 Euro im Jahr nicht nur teuer, sondern angesichts der Geschichte der Mauer auch ein denkbare schlechtes Symbol.

Derzeit wird die East Side Gallery für 230.000 Euro von den Schmierereien gereinigt. Doch trotz des Bauzauns waren erste gereinigte Segmente bereits nach einem Tag wieder beschmiert. Bis zur Fertigstellung der festen Absperrung bleibt die East Side Gallery eingezäunt.

KommentareFeed

  1. Alexander
    kommentierte am 11. November 2015 um 16:08 Uhr

    Hallöchen,

    icke arbeite für das Berliner Sicherheitsunternehmen Provisor Security und mich wundert das was hier gesagt wird gar nicht. Sicherheitskräfte und Schutzvorrichtungen sind in Berlin sowieso schon megawichtig. Habter den Film „Victoria“ gesehen? Ist gar nicht so verkehrt was in dem Film dargestellt wird: Es wimmelt bei uns von schrägen Vögelchen und Leuten die viel zu leicht zu illegalen Taten sich anstiften lassen oder Sachen machen, die sie gar nicht illegal finden, aber dies sind. Und die Touristen mit dene wollen wir mal gar nick erst anfangen, ne? Furchtbare Menschen – aber ohne wäre unsre Stadt wohl noch viel ärmer als eh schon.